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Nichts für schwache Nerven

Die überraschende Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA sorgte für Nervosität an den internationalen Kapitalmärkten. Solche Unsicherheiten und Unberechenbarkeiten stellen Investoren vor grosse Herausforderungen. Stefan Mächler, Group Chief Investment Officer von Swiss Life, erklärt, wie sich Anleger in einem schwierigen Marktumfeld zurechtfinden können.

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Als wir vor acht Jahren von der Finanzkrise überrollt wurden, entstand ein Anlageumfeld, von dem vorerst niemand dachte, dass es Bestand haben würde. Doch die ursprünglich als unkonventionell angesehene Geldpolitik der Zentralbanken nach 2008 ist mittlerweile zu einer gängigen Praxis geworden.

Im März 2016 hat die Europäische Zentralbank ihr Kaufprogramm für Staatsanleihen sogar noch ausgebaut1. Inzwischen hat die britische Zentralbank im August 2016 im Nachgang des Brexit-Referendums britische Staatsanleihen in Höhe von GBP 10 Milliarden aufgekauft und die Zinssätze um 0,25 Prozentpunkte gesenkt2. Das «Quantitative Easing» – Kapitalspritzen für die Wirtschaft – ist keine Sondermassnahme mehr. Die Berg- und Talfahrt an den Aktienmärkten nach 2008 ist hingegen beispiellos3.

Das unsichere Umfeld wird zusätzlich verschärft durch historisch tiefe Zinsen und bedeutet eine grosse Herausforderung für die Investoren: Einerseits sind risikoarmere Anlagen wie Anleihen oder Bargeld bezüglich Rendite nur von geringem Interesse, andererseits erfordert der Handel am Aktienmarkt starke Nerven.

«Um sich im heutigen Umfeld volatiler Finanzmärkte als Anleger zurechtzufinden, muss man als Erstes seinen eigenen Risikoappetit kennen.»
Stefan Mächler, Group Chief Investment Officer von Swiss Life

Kennen Sie Ihren Risikoappetit?

Um sich in diesem Umfeld zurechtzufinden, muss man als Erstes seinen eigenen Risikoappetit kennen. Mit Hilfe eines qualifizierten unabhängigen Beraters können Anleger herausfinden, wie viel Marktvolatilität sie überhaupt vertragen. Der Risikoappetit ist bei langfristigen Anlagen grösser, weil man mehr Zeit hat, eventuelle Verluste wieder wettzumachen. Kurzfristig ausgerichtete Anleger sollten hingegen vorsichtiger sein, wenn sie in Aktien investieren.

Besonders für Anleger, die sich dem Pensionsalter nähern, ist der Zeithorizont von Investitionen entscheidend. Das über Jahrzehnte angesparte Altersguthaben ist, neben einem allfälligen Eigenheim, oft der wichtigste Aktivposten eines Menschen. Die Art, wie ein Fonds später im Leben verwaltet wird, ist entscheidend, wenn er eine langfristige und geeignete Einkommensquelle darstellen soll.

So wählen Menschen, die um ihre Pensionierung ein Renten- oder anderes Versicherungsprodukt kaufen, in Zeiten niedriger Zinsen in der Regel am ehesten sogenannte «Save-Haven-Anlagen». Anlagen also, die mit geringerem Risiko von Wertschwankungen verbunden sind als zum Beispiel eine Aktie an der Börse. Diese Art von Anlagen hat meist auch einen langfristig festen Zinssatz, was das Anlagerisiko vermindert.

«Die aktuellen Marktschwankungen stellen Anleger sicher vor grosse Herausforderungen. Unüberwindbar sind diese jedoch nicht.»
Stefan Mächler, Group Chief Investment Officer von Swiss Life
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Diversifizieren lohnt sich

In ungewissen Zeiten ist Diversifizierung zentral. Insbesondere weil die Vermögenswerte so stark miteinander in Verbindung stehen wie nie zuvor4.

Die Anleger sollten ihre Aktien als Teil eines breitgefächerten Portfolios aus verschiedenen Regionen, Märkten und Anlageklassen sehen. Der Berater spielt hier insofern eine wichtige Rolle, als er für jeden Anleger den geeigneten Vermögensmix festlegen kann.

Auch wenn die Marktschwankungen Anleger ganz klar vor Herausforderungen stellen, sind diese nicht unüberwindbar: Der Schlüssel liegt darin, die Risiken zu verstehen und sicherzustellen, dass man nur so viel Risiko eingeht, wie man auch tragen kann. Die Märkte werden volatil bleiben. Wir müssen lernen, diese schwierigen Zeiten auszusitzen und die guten Zeiten zu geniessen.

Stefan Mächler

Stefan Mächler ist Group Chief Investment Officer von Swiss Life. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Hochschule St. Gallen war er 18 Jahre für die Credit Suisse Group in den Bereichen Kapitalmarkt und Asset Management tätig. Nach neun Jahren im Ausland in Japan, Südkorea und Deutschland kehrte er 1999 in die Schweiz zurück und leitete als Managing Director den Bereich Sales & Marketing Europa und Schweiz von Credit Suisse Asset Management. Bis 2005 war er ausserdem Verwaltungsratspräsident der börsenkotierten Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site AG. Von 2005 bis 2009 war Stefan Mächler bei der Deutschen Bank tätig und von 2009 bis 2014 leitete er das Asset Management der Mobiliar.

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