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Der europäische Traum von den eigenen vier Wänden

Der Wunsch nach Wohneigentum ist ungebrochen. Wie aber wirken sich das längere Leben und die steigende Mobilität auf den Immobilienmarkt aus? Taugen Immobilien für Junge noch als Altersvorsorge?

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Für die Jugend in Europa noch immer ein Lebensziel: die eigenen vier Wände.

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Die heutige Jugend träumt, wie schon ihre Grosseltern und Eltern, vom Eigenheim. Das belegen diverse Umfragen: Neun von zehn Franzosen unter 30 Jahren möchten später ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung besitzen, ebenso acht von zehn der 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz und in Deutschland.

Die Realität allerdings hinkt in allen Ländern den Wünschen hinterher, wie die Wohneigentumsquoten zeigen.

Nur ein Luftschloss?

Für viele Junge bleibt der Traum vom Eigenheim also ein Traum. Am meisten Zeit müssen sich die Schweizer lassen, bis sie sich ihren Immobilienwunsch erfüllen (können). Ein Erstkäufer ist durchschnittlich 48 Jahre alt und damit 14 Jahre älter als der deutsche Nachbar und 17 Jahre älter als ein Franzose. Europaweit liegt das Durchschnittsalter beim ersten Immobilienkauf bei 31 Jahren.

Wer aber schliesslich eine Immobilie kauft, der behält sie oft bis ins Alter. Über die Besitzdauer gibt es kaum verlässliche Zahlen. Das statistische Amt des Kantons Zürich hat aufgrund von Handänderungsstatistiken eine «virtuelle Besitzdauer» hochgerechnet und kommt zum Schluss, dass Eigentumswohnungen im Durchschnitt 34 Jahre lang gehalten werden, Einfamilienhäuser sogar 52 Jahre. Eine Untersuchung in Deutschland zeigte, dass acht von zehn Befragten ihr Eigenheim als «wichtigen Teil der Altersvorsorge» einschätzen. Ähnlich sehen das die Franzosen: Zwei von drei Befragten gaben an, dass Wohneigentum die beste Art sei, um «sich finanziell auf den Ruhestand vorzubereiten».

Kein Kauf fürs Leben mehr

Ein Gegentrend dazu: Die berufliche und geografische Mobilität nimmt stetig zu, wie die Swiss Life-Studie «Wie wir morgen leben» aufzeigt: Mit der Möglichkeit, immer und überall zu arbeiten, kommt die Studie zum Schluss, bewege sich das Wohnen «weg vom Stationären hin zu mehr Mobilität». Wohneigentum wird also nicht mehr nur als ein Kauf fürs Leben betrachtet, sondern zunehmend als Anlage für einen bestimmten Lebensabschnitt: «Immer mehr Menschen haben den Wunsch, flexibel den Wohnort zu wechseln und sich dadurch eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren.»

«Wohneigentum bedeutet Freiheit und Selbstbestimmung»

Welche Auswirkungen haben diese Trends auf den Immobilienmarkt generell und auf das Kaufverhalten der Jungen speziell? Wie verändern die Bedürfnisse der Millennials den Immobilienmarkt? Und welche Rolle spielt das Wohneigentum künftig für die Altersvorsorge? Philipp Urech, Geschäftsführer von Swiss Life Immopulse, gibt Auskunft.

Herr Urech, der Wunsch nach der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus, so zeigen Umfragen immer wieder, ist ungebrochen. Wieso träumt auch die heutige Jugend von den eigenen vier Wänden?
Wohneigentum bedeutet Freiheit und Selbstbestimmung. Einfach tun können, was man will. In diesem Alterssegment kommt die Verbindung mit der Familiengründung dazu.

Man bezeichnet Immobilien gerne als «Betongold». Sind Immobilien für den Einzelnen tatsächlich eine gute Wertanlage?
Grundsätzlich ja. Gut unterhaltene Immobilien erfuhren in den vergangenen 25 Jahren Wertsteigerungen, vor allem weil sich der Landpreis verteuerte. Und auch für die künftige Wertentwicklung ist die anhaltende Nachfrage nach Wohneigentum eine Stütze. Aber man muss auch realistisch sein; über einen langen Betrachtungszeitraum verzeichnen andere Anlageklassen eine bessere Performance. Wohneigentum hat einen hohen emotionalen Wert.

Taugen Immobilien für die Jungen noch als Altersvorsorge?
Solange die makroökonomische Situation nicht abreisst und die Konjunktur weiterhin stabil verläuft, werden Immobilien auch weiterhin eine zentrale Rolle in der Altersvorsorge spielen.

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Philipp Urech, Geschäftsführer von
Swiss Life Immopulse

«Wenn die Immobilien der Babyboomer abgestossen werden, muss der Markt die Altbauten absorbieren.»

Wie verändert der demografische Wandel den Immobilienmarkt?
Grundsätzlich leben wir länger und somit auch länger in Immobilien, was bedeutet, dass wir mehr Wohnraum benötigen. Das längere Leben und der medizinische Fortschritt bedeuten auch, dass wir im Gesundheits-, Alters- und Pflegemarkt weiterhin ein starkes Wachstum erfahren. Wir haben also auch immer mehr und immer länger funktionale Ansprüche an Immobilien.

Wird es einen Angebotsüberhang und darum Preissenkungen geben, wenn die Immobilien der Babyboom-Generation der 1940er- bis 1960er-Jahrgänge auf den Markt kommen?
Wenn die Immobilien der geburtenstarken Jahrgänge auf den Markt kommen, muss der Markt die Altbauten absorbieren. Je nach Intensität der Bautätigkeit und dem Bevölkerungszuwachs aus dem Ausland kann dieser Übergang ohne eine Absenkung des Preisniveaus erfolgen.

«Heute ist die grosszügige Stadtwohnung mit gutem Anschluss an den öffentlichen Verkehr das Mass aller Dinge.»

Die berufliche und geografische Mobilität ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Was bedeutet diese Entwicklung für den einzelnen Immobilienbesitzer?
Im Ausland, insbesondere in den USA, werden Immobilien schon beinahe als Konsumgut verstanden. Durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt müssen dort schnelle Veränderungen möglich sein. Um auf geografische Veränderungen gut vorbereitet zu sein, ist es wichtig, in einer Standardimmobilie zu wohnen. Diese kann im Eventualfall schneller verkauft werden. Teure oder architektonisch spezielle Immobilien können da unter Umständen zum Klotz am Bein werden.

Welches sind die grössten Unterschiede zwischen Babyboomern und Millennials, wenn es um Immobilienkauf oder Wohnen generell geht?
Früher war das grosse Einfamilienhaus mit entsprechendem Umschwung das Mass aller Dinge, heute ist es die grosszügig und stylish gebaute Stadtwohnung mit gutem Anschluss an den öffentlichen Verkehr und den Flughafen.

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