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Nicht auf eigene Faust!

  • Privatpersonen brauchen zunehmend Unterstützung von Beratern, um Sicherheit in Bezug auf ihr langfristiges Sparkapital zu haben
  • Neue Technologien verschaffen Zugang zu Hilfsmitteln
  • Finanzprodukte und ‑lösungen müssen für Laien verständlicher werden
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Für die eigene Vorsorgeplanung ist jeder selbst verantwortlich. Doch niemand ist auf sich allein gestellt: Ein Heer von Beratern und Anbietern steht bereit, um Menschen bei den Entscheidungen zu helfen, die zu den wichtigsten ihres Lebens gehören.

In der Finanzwelt auf eigene Faust zurechtzukommen, wird immer schwieriger. Starke Kursschwankungen machen Aktienanlagen für Laien zum Glücksspiel, und die Renditen an den Anleihenmärkten sind so tief wie noch nie.

Stephen Kavanagh, CEO der unabhängigen britischen Beratungsfirma Chase de Vere, ist der Überzeugung, dass mehr Menschen die Vorteile einer Zusammenarbeit mit Beratern kennen sollten. «Wenn im Alter das Einkommen gesichert sein soll, darf man sich bei der Vorsorgeplanung keine Fehler leisten. Die richtige Beratung ist deshalb entscheidend», erklärt er. «Wer finanzielle Entscheidungen allein trifft, kann leicht am falschen Ende sparen.»

«Wer finanzielle Entscheidungen allein trifft, kann leicht am falschen Ende sparen.»
Stephen Kavanagh, CEO Chase de Vere

 

Kavanagh ruft dazu auf, die Unterstützung unabhängiger Finanzberater in Anspruch zu nehmen, die Ersparnisse und Kapitalanlagen für die Kunden überwachen, auf steuerlich günstige Lösungen achten und die aktuelle Rechtslage im Auge halten können. Ausserdem seien die Berater bei Strategiewechseln behilflich, wenn sich die Ziele der Kunden ändern.

Das Leben sei komplex und halte Ereignisse bereit, die jeweils mit speziellen finanziellen Herausforderungen verbunden seien wie zum Beispiel Scheidungen, Arbeitslosigkeit oder kurzfristige Anlageverluste. «Man muss sich diesen Herausforderungen stellen und seine Pläne gegebenenfalls anpassen.»

In den meisten Bereichen der persönlichen Finanzgestaltung können unabhängige Finanzberater ihre Kunden unterstützen. Paul Stanfield, Präsident des Branchenverbands Federation of European Independent Financial Advisers, sieht bei der Finanzplanung Wissenslücken. «Der Öffentlichkeit scheint es generell an Wissen und Urteilsvermögen zu fehlen. Das fängt schon bei der Einteilung des Haushaltsgelds an», erklärt er.

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Unabhängige Beratung

In Grossbritannien ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC unter mehr als 1000 Menschen zwischen 50 und 65 Jahren, dass sich fast zwei Drittel (63%) gern beim Zugriff auf ihr Vorsorgekapital beraten lassen würden. Doch nach den Worten von Jonathan Howe, Leiter des Versicherungsbereichs von PwC in Grossbritannien, würde es den meisten dieser Sparer schwerfallen, die Hilfe eines unabhängigen Beraters in Anspruch zu nehmen, weil sie weniger als GBP 40 000 (EUR 52 700) an Vorsorgekapital haben. «Viele Verbraucher haben keine so hohe Rente, dass sich die Beratungsgebühr lohnen würde», so Howe.

Um dieses Hindernis zu überwinden, führen immer mehr Berater und Dienstleister, allgemeine Finanztipps entweder kostenlos oder in erschwinglichen Preisen für den Massenmarkt ein.

Kavanagh erklärt: «Ein einfacher Beratungsservice sowie ein Telefon- oder Onlineservice reicht für Menschen mit relativ einfachen finanziellen Anforderungen oft aus. Für Menschen mit komplexeren Finanzen oder grösseren Pensions- oder Anlagefonds, die alle Optionen berücksichtigen wollen, dürfte sich eine unabhängige Finanzberatung weiterhin als wertvoll erweisen.»

Einfachheit ist Trumpf

Neben den Beratern helfen auch die Finanzdienstleister beim Aufbau von langfristigem Sparkapital. Vermögensverwalter, Versicherer und Banken sind dafür verantwortlich, Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, die nicht nur die Bedürfnisse der Sparer erfüllen, sondern auch zugänglich und verständlich sind.

«Die Öffentlichkeit findet die meisten Produkte verständlicherweise zu komplex. Wir müssen einfache Produkte entwickeln, um einfache Bedürfnisse zu erfüllen – nicht zuletzt weil die meisten Menschen eben einfache Ziele und Ambitionen haben», meint Stanfield.

Doch obwohl viele Menschen einfache Ziele haben, unterscheidet sich jeder Sparer vom anderen, und die Anbieter benötigen eine flexible Produktpalette, um den wandelnden Anforderungen gerecht zu werden.

Nach Auffassung von Kavanagh können Kooperationen zwischen Beratern und Finanzdienstleistern künftige Innovationen bei Finanzprodukten voranbringen: «Finanzprodukte müssen sich anpassen, wenn sich das Umfeld und das Leben der Menschen verändern. Die Finanzberater sind hier gefordert. Sie stehen an vorderster Front, sind mit ihren Kunden in Kontakt und verstehen ihre Bedürfnisse und Sorgen.» Kavanagh argumentiert, die Berater könnten den Produktanbietern interne Erkenntnisse zurückmelden und sich als Interessenvertreter der Kunden für mehr Transparenz, Flexibilität und tiefere Kosten einsetzen.

63%
Einer PwC-Umfrage in Grossbritannien zufolge würden sich 63% der 50- bis 65-Jährigen gern beim Zugriff auf ihr Vorsorgekapital beraten lassen.

Die richtigen Regeln

Auch das regulatorische Umfeld muss sicherstellen, dass Finanzdienstleister den Menschen helfen, langfristig zu sparen. Nicolas Jeanmart, Leiter Personenversicherung, allgemeine Versicherung und Makroökonomie bei Insurance Europe, weist auf neue Gesetze hin, die zusätzliche Belastungen für Versicherer vorsehen, die langfristige Finanzprodukte anbieten. Er verweist insbesondere auf Policen, für die Versicherer mehr Eigenkapital bereithalten müssen, wenn sie in bestimmte Vermögenswerte investieren, sodass es schwieriger wird, bezahlbare und flexible Sparprodukte auf den Markt zu bringen.

«Um ihren Kunden weiterhin geeignete langfristige Sparprodukte anbieten zu können, benötigen die Versicherer einen Regulierungsrahmen, der ihr langfristiges Geschäftsmodell berücksichtigt», so Jeanmart.

Zudem sollten lokale Regierungen den Menschen Anreize zum Sparen bieten, insbesondere durch sinnvolle steuerliche Regelungen.

Einfache Konsequenz

Auch wenn Berater und Finanzdienstleister ein Umfeld schaffen, das ein längeres, selbstbestimmtes Leben unterstützt, liegt es letztlich an jedem Einzelnen, die eigene Vorsorgeplanung in die Hand zu nehmen.

Lukas Riesen, Partner bei der Schweizer Beratungsfirma PPCmetrics, fasst zusammen: «Die Produkte und Lösungen sind da, aber die Menschen sparen einfach nicht genug. Schlussendlich ist es ganz einfach: mehr sparen, länger arbeiten und weniger ausgeben. Aber daran denken die meisten nicht.»

«Schlussendlich ist es ganz einfach: mehr sparen, länger arbeiten und weniger ausgeben.»
Lukas Riesen, Partner bei PPCmetrics
«Zukunftsplanung ist kein Spiel. Wir leben länger, und deshalb führt kein Weg daran vorbei, dafür zu sorgen, dass man im Ruhestand den Lebensstandard erreicht, den man sich wünscht.»
Nils Frowein, CEO Swiss Life International

 

Nils Frowein, Chief Executive Officer von Swiss Life International und Verwaltungsratspräsident von Chase de Vere, bringt es auf den Punkt: «Zukunftsplanung ist kein Spiel. Wir leben länger, und deshalb führt kein Weg daran vorbei, mit Unterstützung eines Finanzberaters die richtigen Entscheidungen zu treffen, um dafür zu sorgen, dass man im Ruhestand und in den gesamten späteren Jahren den Lebensstandard erreicht, den man sich wünscht.»

Berater und Anbieter müssen sich intensiver und kreativer darum bemühen, ein positives Sparverhalten zu fördern. Darüber hinaus muss jeder Einzelne seinen Teil zu einer besseren finanziellen Zukunft beitragen.

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