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Darum ist Kinder kriegen in Frankreich so attraktiv

Die Geburtenrate ist in Europa nirgendwo höher als in Frankreich. Was andere Länder vom französischen Modell lernen können.

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Frauen in Frankreich bekommen seit Jahren die meisten Kinder im europäischen Vergleich. 2016 betrug die Geburtenrate laut dem europäischen Statistikamt Eurostat 1,92 Kinder pro Frau. Alle anderen Länder hinken hinterher, wie die folgende Grafik zeigt.

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Die Gründe für die hohe Geburtenrate sind vielfältig. Kinderkriegen wird in Frankreich nicht nur als Privatangelegenheit, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe angesehen. Das französische Sozialversicherungssystem wendet darum etwa vier Prozent des BIP für familienspezifische Ausgaben auf – einen der höchsten Prozentsätze weltweit.

Die «französische Ausnahme»
Auch wenn die Auswirkungen familienpolitischer Massnahmen auf die Geburtenrate kontrovers diskutiert werden, stimmen die meisten Demografen in der Annahme überein, dass die Familienpolitik eine wichtige Rolle bei der Geburtenentwicklung spielt. Demografen sprechen weltweit von der «französischen Ausnahme»: der ersten modernen Gesellschaft, die Frauen nicht vom Kinderkriegen abschreckt, sondern mit einer ständig weiterentwickelten Familienpolitik dazu ermutigt. Frankreich gilt als das Land mit kinderreichen Familien, deren Mütter trotzdem Karriere machen. Die Nation ist aufgrund der hohen Erwerbstätigenquote bei Frauen, insbesondere bei jungen Müttern, Vorbild in Europa.

Über zwanzig Familienleistungen werden Familien je nach Konstellation und Einkommen gewährt. So erhalten beispielsweise alle Eltern mit mindestens zwei Kindern Kindergeld. Dessen Höhe ist seit 2015 einkommensabhängig. Daneben gibt es weitere Unterhaltsleistungen sowie Zulagen für die Versorgung von Kindern oder das geteilte Erziehungsgeld, das einem oder beiden Elternteilen ermöglicht, die Erwerbstätigkeit zu unterbrechen oder zu reduzieren.

Serie: Vorbild Frankreich

Frankreich hat die höchste Geburtenrate Europas und die meisten Frauen in Führungspositionen. In einer Artikelserie zeigen wir, wie Frankreich das erreicht hat und was andere Ländern davon lernen können. Lesen Sie auch: 

«In Frankreich legen Eltern mehr Wert auf Autonomie» 

«Fühlt euch nicht schuldig, Frauen!»

Flächendeckende Betreuungseinrichtungen
Zum umfassenden Angebot gehört auch der flächendeckende Ausbau ganztägiger Betreuungseinrichtungen für alle Kinder. So können Kinder und Jugendliche bis zur Matur ganztags betreut werden. In Kindergärten (école maternelle) werden Kinder bereits im Alter von zwei bis drei Jahren den ganzen Tag kostenlos betreut, so dass ihre Eltern sich der Ausbildung, Arbeit oder Stellensuche widmen können. Zusätzlich kümmern sich hunderttausende staatlich anerkannte und fair bezahlte Tagesmütter ganztags um die Kinder. Eltern erhalten dafür einen Betreuungszuschuss und ein grosser Teil der Betreuungskosten kann steuerlich geltend gemacht werden.

Eigenständige Alterssicherung
Die staatliche Unterstützung ist aber nicht der alleinige Grund, warum die nach Deutschland einwohnerstärkste EU-Nation eine höhere Geburtenrate hat als andere Länder Europas. Das französische Modell der Familienpolitik sieht auch vor, dass Frauen wenige Monate nach der Geburt in den Beruf zurückkehren können – und zwar nicht wie in vielen anderen Ländern üblich vor allem in Teilzeit, sondern meist in Vollzeit. Das führt in Kombination mit einem gesetzlichen Mindestlohn dazu, dass mehr Frauen als in vielen anderen EU-Ländern über ein eigenes existenzsicherndes Einkommen und somit auch über eine eigenständige Alterssicherung verfügen.

Auch die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede sind in Frankreich mit 15,2 Prozent um einiges geringer als etwa in Deutschland (21,5%) oder in der Schweiz (17%). Zudem sind auch in Führungspositionen mehr Frauen (43%) vertreten als im europäischen Durchschnitt (25%).

Gesellschaftlich akzeptiert
Für die Pariser Ökonomin Angela Greulich ist der Grund für die hohe Geburtenrate vor allem darin zu finden, dass Frauen weniger gezwungen sind, sich zwischen Familie und Karriere zu entscheiden. In Frankreich wird das Thema Gleichstellung laut der Lehrbeauftragten an der Universität Panthéon-Sorbonne ganzheitlich betrachtet und die Bedürfnisse von Familien und Frauen werden nicht isoliert im Bereich Familienpolitik berücksichtigt. «In Frankreich wird die Erwerbstätigkeit von Müttern gezielt gefördert», schreibt Greulich, die Themen rund um Frauen im Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Gleichstellung erforscht, in einer Studie. «Ein stimmiges Gesamtkonzept zieht sich durch verschiedene Politikbereiche wie Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, Bildungspolitik und die finanzielle Unterstützung von Familien.» Mit einer progressiven Familienpolitik sei es nicht getan, so Greulich weiter, notwendig sei auch eine aktive Frauenpolitik für Frauen in jeder Lebenssituation.

In Frankreich wird denn auch nicht darüber moralisiert, ob eine Mutter arbeiten oder gar eine Karriere haben darf. «Es gibt keine Debatten darüber, dass es für Kinder schädlich wäre, nicht von der eigenen Mutter betreut zu werden», sagt die in Frankreich lebende deutsche Journalistin Annika Joeres und Autorin von «Vive la famille: Was wir von den Franzosen übers Familienglück lernen können». Kein Wunder, gibt es im Französischen kein Wort für Rabenmutter.

Wie kann eine junge Familie sparen und vorsorgen? Drei Tipps von Pierre François, Generaldirektor Swiss Life Frankreich

Wenn eine Familie ein Kind bekommt, woran sollte sie punkto Versicherungen vor allem denken?
Zuallererst muss eine Familie ihre Krankenkasse über die Geburt des Kindes informieren, damit es in die Versicherung aufgenommen wird.

Worauf muss man besonders achten?
Wichtig ist, dass die Police die spezifischen Gesundheitsprobleme von Kindern abdeckt, zum Beispiel die Kieferorthopädie. Auch der Abschluss einer Vorsorgeversicherung für Tod und Invalidität, die Kinder in Härtefällen finanziell absichert, wird immer wichtiger. Hier gilt es zu prüfen, dass die Garantien für Kapital und Rente ausreichend sind. Ich empfehle Policen, die eine Ausbildungsversicherung enthalten.

Wie soll eine junge Familie ihr Sparverhalten ändern?
Die Geburt eines Kindes ist der richtige Zeitpunkt, um eine Lebensversicherung abzuschliessen und um regelmässig Geld auf die Seite zu legen. Die Ausbildung von Kindern ist teuer, besonders, wenn man ein Studium finanzieren muss, das heute immer länger dauert. Wenn man bereits vor der Geburt eine Lebensversicherung hatte, muss man daran denken, die Begünstigungsklausel zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern.

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Pierre François, Generaldirektor Swiss Life Frankreich

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