Viele Jahre lang jagte er in der Schweiz, Nordamerika und Finnland dem Puck hinterher – heute berät er Unternehmen bei Firmenübernahmen und Finanzprüfungen. Der ehemalige Schweizer Eishockeyprofi Timo Helbling erzählt, wie er seine zweite Karriere in der Finanzwelt aufbaute und weshalb junge Profisportlerinnen und -sportler beim Thema Geld besonders wachsam sein sollten.

Sie wollten schon als Jugendlicher Eishockeyprofi werden und haben es geschafft. Wann wurde Ihnen bewusst, dass eine Profikarriere nicht ewig dauert?
Mir war das immer bewusst und auch meine Eltern legten früh grossen Wert darauf, dass meine Passion für Eishockey und die Ausbildung Hand in Hand gehen. Auch hatte ich das Glück, zum ersten Jahrgang des Schweizerischen Sportgymnasiums in Davos zu gehören, die ideale Voraussetzung für meine weitere sportliche Laufbahn.Später führte mich der Sport nach Nordamerika. Über 80 Spiele und Playoffs liessen kaum Raum fürs Studium. Nach sieben intensiven Jahren kehrte ich dann in die Schweiz zurück und spielte zunächst beim HC Lugano. Zeitgleich startete ich mein Bachelorstudium in Betriebsökonomie.

Das Studium und den Spitzensport unter einen Hut zu bekommen, klingt nach einer intensiven Zeit.
Das berufsbegleitende Studium empfand ich nie als Belastung, sondern vielmehr als Ausgleich zum Sport. Es machte mich zu einem besseren Sportler, da es mir eine andere Perspektive auf den Sport eröffnete. Darüber hinaus kann man im Eishockey ohnehin nicht rund um die Uhr trainieren, also nutzte ich die freie Zeit gezielt fürs Studium.

Ab wann haben Sie begonnen, sich mit beruflichen Themen für die Zeit nach dem Spitzensport auseinanderzusetzen?
Da ich Betriebsökonomie studierte und meinen Master in Finance and Banking absolvierte, war für mich schon früh klar, dass ich nach meiner Sportkarriere eine berufliche Laufbahn in diesem Bereich einschlagen werde.

Wer hat Sie in finanziellen Fragen beraten?
Zu Beginn war mein Vater die wichtigste Person, um über Geldfragen zu sprechen. Später kamen Eishockey-Agenten hinzu: Sie haben nicht nur meine Verträge mit den Vereinen geregelt und Kontakte zu neuen Clubs hergestellt – manche haben auch finanzielle, versicherungstechnische und steuerliche Dienstleistungen angeboten. Die Abhängigkeit der Sportlerinnen und Sportler von ihren Agenten sehe ich rückblickend jedoch als heikel an, denn häufig mangelt es insbesondere jungen Menschen an genügend Finanzwissen, um sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden.

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In der Garderobe hört man oft von den skurrilsten Investmentmöglichkeiten mit unrealistischen Renditeversprechen.

Wie haben Sie den Wechsel vom Profisport in die Privatwirtschaft erlebt?
Ich durfte viele Jahre Eishockey spielen und zeigte auch gegen Ende meiner Karriere gute Leistungen: Den Meistertitel 2016 mit dem SC Bern holten wir, als ich bereits 35 war. Ich musste darum gegen Ende meiner Eishockeykarriere gut abwägen, ob ich noch weiterspielen möchte oder es nun Zeit war, eine neue Karriere in Angriff zu nehmen. Das war keine einfache Entscheidung. Ich wusste jedoch, dass mein eigentliches Ziel war, mich von der «Sportbubble» weg hin zu einer neuen Karriere zu bewegen. Auch für diese war ich hochmotiviert.
Ausserdem war der Alltag als Eishockeyspieler durch Trainings und Spiele stark strukturiert. Als Spieler werden dir viele Entscheidungen durch den Spiel- und Trainingsalltag abgenommen, selbst die Ferien sind vorgegeben. Die grösste Umstellung und Herausforderung bestand für mich deshalb darin, mir neue, eigene Strukturen zu schaffen. Rückblickend war ich auf diese Übergangsphase nur bedingt vorbereitet.

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Der Teamsport vermittelt Softskills, die für die berufliche Karriere sehr wertvoll sein können.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Sportkarriere helfen Ihnen heute beruflich?
Der Teamsport vermittelt Softskills, die für die berufliche Karriere sehr wertvoll sein können. Allerdings nützen diese in der Privatwirtschaft wenig, wenn das Fachwissen fehlt. Der Konkurrenzkampf auf dem Zürcher Arbeitsmarkt ist sehr gross – und das nicht nur aktuell. Ich arbeite mit Kolleginnen und Kollegen aus rund 70 Ländern zusammen, die alle eine spannende Geschichte und hohe Eigenmotivation mitbringen.

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Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn verdiente ich natürlich weniger als zuvor als Eishockeyprofi.

Wie hat sich Ihre persönliche finanzielle Situation nach dem Karriereende verändert?
Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn verdiente ich natürlich weniger als zuvor als Eishockeyprofi. Trotzdem wollte ich einen Arbeitgeber und eine Position finden, die mir Entwicklungsmöglichkeiten boten – wichtiger als das Gehalt war mir, dazuzulernen. Diese Entscheidung hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen. Gleichzeitig verschaffte mir meine Zeit als Profisportler auch finanziell genügend Spielraum, um meinen gewohnten Lebensstandard beizubehalten.

Welche Weichen sollten Profis unbedingt früh stellen, um später finanziell selbstbestimmt zu sein?
Nicht nur Profis, sondern alle jungen Menschen sollten sich frühzeitig mit grundlegenden Finanzthemen auseinandersetzen. Als Profi sollte man zudem grosse Risikoinvestments vermeiden. In der Garderobe hört man oft von den skurrilsten Investmentmöglichkeiten mit unrealistischen Renditeversprechen. Wer solchen Angeboten aus dem Weg gehen kann, sich mit einer soliden Rendite zufriedengibt und das Prinzip des Zinseszinses versteht, hat die grundlegenden Weichen für seine finanzielle Zukunft gestellt.

Welche Empfehlungen geben Sie heute anderen Athletinnen und Athleten für die Zeit nach der aktiven Karriere?
Eine fundierte Ausbildung, ausgeprägte Softskills und ein gutes Netzwerk helfen, eine Einstiegschance auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Nach meinem Masterstudium und während der zwei letzten Jahre meiner Eishockeykarriere konnte ich Teilzeit bei einem Asset Manager arbeiten, was für meine weitere berufliche Entwicklung sehr wertvoll war. Meine Empfehlung an Athletinnen und Athleten lautet daher, neben der Ausbildung möglichst auch Praxiserfahrung zu sammeln.

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Timo Helbling

Timo Helbling (1981) ist ehemaliger Schweizer Eishockeyspieler. Er bestritt über 1000 Spiele im In- und Ausland, inklusive elf Spielen in der NHL. 2016 wurde er mit dem SC Bern Schweizer Meister. Helbling hält einen Master in Banking and Finance und arbeitet heute bei Deloitte in Zürich als Senior Manager im Bereich Mergers & Acquisitions im Transaction-Services-Team.

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