Ob mühsamer Job oder belastende Umstände im Alltag – manchmal wünscht man sich die Freiheit, einfach einen Schritt zurücktreten zu können. In solchen Situationen hilft ein finanzielles Polster, das einem finanzielle Selbstbestimmung ermöglicht. Wir erklären, was hinter dem sogenannten «Fuck You Money» steckt.
«Fuck You Money» klingt zunächst wie ein Schimpfwort. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein ernst zu nehmendes Konzept, mit dem man sich in der eigenen Finanzplanung auseinandersetzen sollte. Der Begriff soll bereits in den 50er-Jahren von Humphrey Bogart genutzt worden sein. Der Erzählung nach hatte er immer einen 100-Dollar-Schein in der Tasche, der ihn daran erinnern sollte, dass er keine Rolle annehmen musste, die ihm missfiel. Das verdeutlicht das grundlegende Prinzip: Beim «Fuck You Money» handelt es sich um ein finanzielles Polster, das die Freiheit schafft, sich aus einer unliebsamen Situation zu lösen – und im Zweifel auch einmal klar zu sagen: Da mache ich nicht mit.
Mit seiner klaren Botschaft hat der spezielle Notgroschen auch den Sprung in die Popkultur geschafft. In zahlreichen Filmen, Serien, Büchern und Podcasts wurde er bereits aufgegriffen. Im Film Gambler (2014) etwa erklärt Kreditor Frank dem verschuldeten Literaturprofessor Jim sinngemäss: «Jeder Mensch braucht eine bestimmte Summe Geld. So viel, dass er nie wieder gezwungen ist, Ja zu sagen. Wenn du das hast, bist du frei. Dann kannst du jedem, der etwas will, einfach Nein sagen.» Eine andere Anspielung findet sich in der Serie Billions (2016–2023). Darin fragt der Milliardär Bobby: «Was ist der Sinn, «Fuck You Money» zu haben, wenn man sich nie sagt …» – Sie wissen schon. Oder wie es Tom und Bill Kaulitz in ihrem Podcast Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood ausdrücken: «Geld gibt wahnsinnig viel Freiheit. Das Gefühl, auf niemanden angewiesen zu sein. Es macht einen weniger angreifbar. Und es nimmt einem gewisse Angst.»
Mit dem sogenannten «Fuck You Money» nimmt man sich die Freiheit, auch mal «Nein» zu sagen – und sich eine Auszeit zu nehmen.
Gängige Faustregeln fürs finanzielle Polster
Beim «Fuck You Money» geht es also um die Freiheit, in bestimmten Situationen dank finanzieller Rücklagen unabhängig Entscheidungen treffen zu können. Sei es, um den Job zu kündigen, weil die Umstände untragbar geworden sind, oder aus der WG auszuziehen, weil die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner schon wieder seit Tagen das Geschirr im Waschbecken stapeln.
So unterschiedlich wie diese Szenarien ist auch der Betrag, den man dafür ansparen sollte. Aber wie viel Geld muss zur Seite gelegt werden, um wirklich von «Fuck You Money» sprechen zu können? Eine gängige Faustregel lautet: mindestens sechs Monatsgehälter. Damit sollte man die Zeit zwischen zwei Jobs überbrücken können, ohne in finanzielle Not zu geraten. Als weiterer Richtwert dienen die persönlichen Ausgaben wie Miete, Verpflegung, Versicherungen etc. für ein bis zwei Jahre. Mit dem entsprechenden finanziellen Poster kann man die Lebenshaltungskosten für die besagte Zeit decken, ohne auf ein Einkommen angewiesen zu sein.
Die konsequenteste Form von «Fuck You Money»
Je grösser der Sparbetrag ist, desto grösser wird auch der Handlungsspielraum, den er eröffnet. Das Konzept wird daher oft mit Bewegungen in Verbindung gebracht, die völlige finanzielle Unabhängigkeit anstreben. Dazu zählt zum Beispiel FIRE – Financial Independence, Retire Early –, bei dem die Anhängerinnen und Anhänger konsequent Sparen, um sich möglichst früh in den Ruhestand zu verabschieden. Die Faustregel besagt, dass das Vermögen den jährlichen Ausgaben von 25 Jahren entsprechen sollte. Ist dieser Betrag erreicht, sollte man theoretisch von den Kapitalerträgen leben können. FIRE kann als die konsequenteste Form von «Fuck You Money» betrachtet werden.
Man muss den Ansatz aber nicht so absolut durchspielen, auch kleinere Beträge können bereits eine grosse Wirkung erzielen. Wie hoch der Sparbetrag letztlich sein sollte, ist ganz individuell und hängt von den persönlichen Zielen und Vorhaben ab. Hilfreich ist es, sich für die nahe Zukunft einen Plan zurechtzulegen und zu überlegen, auf welche Szenarien man sich finanziell vorbereiten möchte. So lässt sich auf ein konkretes Ziel hin sparen – und das muss nicht gleich der frühestmögliche Ruhestand sein.
Für viele Expertinnen und Experten ist die Höhe des Betrags sogar eher zweitrangig. Viel wichtiger ist der psychologische Effekt, der beim Sparen entsteht: Das Wissen, finanziell unabhängig zu sein, vermittelt eine innere Gelassenheit und lässt einen etwas ruhiger schlafen. Dieser Effekt ist unbezahlbar.
Beim «Fuck You Money» geht es ums Sparen. Je grösser der Betrag, desto grösser auch der Handlungsspielraum, den dieser ermöglicht.
Sparen – mit Kässeli oder eigenem Konto
Um sich sein eigenes «Fuck You Money» anzusparen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben klassischen Methoden wie dem Sparschwein oder kreativen analogen Varianten wie «Cash Stuffing» oder der «Penny Challenge» kann auch ein spezielles Konto eröffnet werden, auf das regelmässig ein bestimmter Betrag überwiesen wird. Wer einen längeren Zeithorizont hat, sollte das Geld zudem gezielt anlegen. Auch beim «Fuck You Money» gilt: Wird es aufgebraucht, lohnt es sich, wieder anzusparen. Denn Situationen, in denen man einfach mal Nein sagen möchte, können schliesslich immer wieder kommen.
Wichtig ist, «Fuck You Money» nicht mit einem Notgroschen für Notfälle zu verwechseln. Ein solcher sollte stets separat zurückgelegt werden, um im Ernstfall handlungs- und zahlungsfähig zu bleiben.
(Cover Credit: Bild wurde mit KI erstellt.)